Breathe
Breathe evokes the sensation and memory of collective events, celebratory joy, ecstasy and the individual within a crowd. A solo performer on a vast football pitch replicates images from collective events and plays with the distance and absence of surrounding bodies. The large empty outdoor space with solid geometrical forms has been the source of inspiration to Milla Koistinen’s collaboration with Sandra E. Blatterer, Paul Valikoski and Grégoire Simon. As the audience is invited to shift viewing positions within the empty sports stadium, the performer plays with tipping points between perceived states and the porous relationship between distance and closeness, control and chaos, togetherness and estrangement. Breathe invites the audience to revisit memories of collective euphoria and joy.
Concept, choreography and performance: Milla Koistinen
Music: Paul Valikoski and Grégoire Simon
Space and light: Sandra E. Blatterer
Dramaturgy: Synne Behrndt
Artistic collaboration: Fanny Didelot
Artistic advisor: Sergiu Matis
Costume: Lee Méir
Production manager: Jana Lüthje
Production assistant: Birke Van Maartens
Co-production: Tanz im August / HAU Hebbel am Ufer. Supported by: Fonds Darstellende Künste with funds from the Federal Government Commissioner for Culture and the Media in the frame of NEUSTART KULTUR.
In cooperation with the District Office Friedrichshain-Kreuzberg, Department of Sports.
Premiere on the 19th of August 2021 in Tanz im August, Berlin
Photos by Jan Isaak Voges and (c) Tanz im August / HAU Hebbel am Ufer, Berlin, photo by Dajana Lothert, 2021
ARTE TV / Three voices in contemporary dance (2022)
A documentary directed by Andreas Morell with interviews with Milla Koistinen, Arno Schuitemaker and Jefta van Dinther.
Excerpt of Breathe in ARTE TV, documentary by Accentus Music.
Presse:
https://tanzschreiber.de/en/tanz-im-august-2021-talkabout-2/
Milla Koistinen: "Breathe" – auf dem Sportplatz
Auf dem Lilli-Henoch-Sportplatz, direkt am Anhalter Bahnhof hat die Choreografin Milla Koistinen mit der Uraufführung ihres Stückes "Breathe", "Atmen" das gesamte riesige Fußballfeld buchstäblich zu ihrer Arena werden lassen. Denn sie allein lässt uns den Tumult von Zuschauermassen erleben, als wären die Ränge vollbesetzt – das Stück ist auch eine Reaktion auf die Kontaktbeschränkungen und das Gebot des Abstandhaltens in der Pandemie. Sie bespielt den ganzen Platz, wir Zuschauer laufen hinter ihr her und versuchen ihren unvorhersehbaren Laufwegen auszuweichen. Wir bilden eine Gruppe und doch ist jede und jeder von uns auch isoliert, denn zum Stück gibt es einen Soundtrack, der uns auf Kopfhörern zugespielt wird. Den kann man vorher aufs Smartphone herunterladen oder bekommt Geräte beim Einlass.
Soundtrack auf Kopfhörern – Große Gestik, intime Momente
Zu hören sind zunächst leise Umgebungsgeräusche, Vögel, Kinder, Straßenlärm, Wind und Atmen und fernes Stadion-Gejubel, dann elektronische Musik wie für einen Entspannungskurs und schließlich aufpeitschende House-Musik. Dazu tanzt Milla Koistinen ganz weich, mit wenigen runden, zarten, genau definierten Bewegungen. Sie geht etwa in Siegerinnen- und Jubel-Posen, wie ein Fußballstar, der ein Tor geschossen hat – alles ganz langsam, mit äußerster Sorgfalt. Dadurch wird die große Gestik von Jubel, Triumph, Anfeuerung und Aufpeitschen, wird die Gestik der Ekstase zu privaten, intimen Momenten. Koistinen löst die Bewegungen von den üblichen Konnotationen und überlässt die Deutung unserer Fantasie.
Zwei riesige Luftkissen – Skulpturen in Bewegung
Milla Koistinen, Berlinerin aus Finnland, seit Jahren eine der faszinierendsten Tanzkünstlerinnen der Stadt, spielt mit Distanz und Nähe, mit dem Abwesenden, das anwesend ist, der Menschenmenge, und sie spielt mit riesigen aufgeblasenen Ballons. Denn auf dem Feld sind zwei riesige Luftkissen aus Ballonseide, rosa und rostrot das eine, abendblau und frühlingsgrün das andere. Milla Koistinen zieht sie über das Feld, wobei die Luftkissen ihr Eigenleben haben, wie flatternde, sich aufbauschende, im Wind treibende Wesen, Skulpturen in Bewegung. Und wir Zuschauer weichen aus und folgen ihr und ihren Ballons, werden zu Mitspielern, die sich immer fragen: wie nah kann ich ran, wie nah will ich ran. Auch ohne die Pandemie-Bezüge, ohne Bezug auf das Atmen im Stücktitel konkret deuten zu müssen, eine wunderbare, spielerische Choreografie.
- Frank Schmid, rbbKultur